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Mit viel leichtSinn erfolgreich unterwegs

Das Brompton-ultra ist der "Renner" bei der Brompton National Championship 2015

 


Den Zuschauern, die sich am 16. August entlang des Bremer Walls postiert hatten, bot sich ein ungewöhnliches Spektakel. Im Sekundentakt rauschten in Shorts und Sakko gekleidete Hobbyradler an ihnen vorbei, die tief über die Lenker ihrer kleinen Falträder gebeugt einen Rundkurs durch die Bremer Innenstadt absolvierten. Was auf den ersten Blick einer Karnevalsveranstaltung glich, war die diesjährige „Brompton National Championship“, die nach ihrer erfolgreichen Premiere im letzten Jahr bereits zum zweiten Mal ausgetragen wurde. Rund 270 Teilnehmer aller Altersklassen und verschiedener Nationalitäten waren mit ihren Falträdern angetreten, um den Titel des schnellsten deutschen Bromptonpiloten untereinander auszufahren. Wie bei Brompton-Rennen üblich, galt der Dresscode „very British“ – gefahren werden durfte also nur mit Sakko und Krawatte oder Fliege. Darüber hinaus waren der Fantasie in puncto Rennbekleidung keinerlei Grenzen gesetzt. Die Teilnehmer erschienen mit Federhüten, in Uniform oder sogar kompletter Feuerwehrmontur. Am Ende des Rennens wurden daher nicht nur die schnellsten Fahrer, sondern auch das originellste Kostüm prämiert.
 



Im Starterfeld war auch ein bekanntes Gesicht der Hochschule Albstadt-Sigmaringen vertreten. Prof. Dr.-Ing. Klaus Bellendir, Professor im Studiengang Maschinenbau, hatte "sein Brompton-ultra" – eine Leichtbauvariante des herkömmlichen Faltrads aus England – im Gepäck, um es anlässlich des Rennens einem ausgiebigen Praxistest zu unterziehen. Die Idee, eines der Brompton-Falträder mit Leichtbaumaterialien und Faserverbundkunststoffen so weit wie möglich „abzuspecken“, ohne dabei das Grundkonzept – vor allem das spezifische Faltmaß und den Faltvorgang – zu verändern, wurde eigentlich schon im Sommersemester 2009 als Thema einer ersten Projektarbeit geboren. Am Ende des Entwicklungsprozesses soll das leichteste Brompton-Faltrad der Welt stehen. Seit 2013 wird dieser ambitionierte Ansatz in einem eigenen Labor für Leichtbau und Faserverbundkunststoffe (Labor „leichtSinn“) im Studienbereich Maschinenbau an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen konsequent weitergesponnen. Hier können die Studierenden bzw. Projektteilnehmer ihre Leichtbauteile nicht nur entwerfen und berechnen, sondern auch selber mit verschiedenen Herstellungsverfahren (Handlaminieren, Pressverfahren, Vakuuminfusion) fertigen. Sie experimentieren mit unterschiedlichen Materialien (glas-, kohlenstoff-, aramidfaserverstärkten Kunststoffen, Aluminium, Titan) und hybriden Verbindungen und versuchen, deren Leichtbaupotenzial werkstoffgerecht in das Brompton-ultra zu integrieren. Inzwischen bestehen bereits Sattel, Sattelstütze, Schutzbleche und Hauptrahmenstruktur aus Leichtbaumaterialien (im Wesentlichen aus CFK), und man hat die Anfangsmasse um bereits etwa 20 % reduziert. Die konventionelle Kette wird demnächst durch einen Zahnriemen ersetzt und in einem weiteren Schritt soll nun der Vorderbau einer radikalen Abspeckkur unterzogen werden. Das Projekt, aus dem bis dato zahlreiche Projekt- und Abschlussarbeiten hervorgegangen sind, stieß bei den Studierenden von Anfang an auf großes Interesse. Der Studiengang Maschinenbau hat sich daher entschieden, das Thema Leichtbau- und Faserverbundkunststoffe als Vorlesung auch in das Bachelorstudium zu integrieren.

Gegenüber einem konventionellen Brompton macht sich der Gewichtsvorteil des „Brompton-ultra“ deutlich bemerkbar – auf der Strecke, vor allem aber beim Transport. Die Aufmerksamkeit der Zuschauer und der anderen Teilnehmer war Professor Bellendir jedenfalls sicher. Um das Brompton-ultra bildete sich rasch eine kleine Menschenmenge, die sich die besondere Konstruktionsweise interessiert erläutern ließ. Auch der Entwickler des Brompton und Firmengründer, Andrew Ritchie, war unter den Interessenten. Er ließ es sich nicht nehmen, persönlich eine Runde auf dem Brompton-ultra zu drehen. Von der Leichtbauversion seiner Erfindung zeigte er sich nach der kleinen Probefahrt so überzeugt, dass er den weiteren Werdegang des Projekts verfolgen möchte. Über den Deutschland-Importeur des Brompton Henning Voss, der das Projekt von Anfang an unterstützt hat, wird man daher in Kontakt bleiben.

Professor Bellendir wertete das positive Feedback von Expertenseite als Beleg, dass sein Projekt auf dem richtigen Weg ist. Für die Zukunft hat er bereits ehrgeizige Pläne: Wenn alle Komponenten des Faltrads über Leichtbauverfahren optimiert wurden, möchte er das Konstruktionskonzept an sich ins Auge fassen und Alternativen erarbeiten. Dem „leichtSinn“ sollen – zumindest in konstruktionstechnischer Hinsicht – auch weiterhin keine Grenzen gesetzt sein. Der erfolgreiche Auftritt bei der BNC ist zweifellos, so betont Professor Bellendir, den an Projekt- und Abschlussarbeiten beteiligten Studierenden, den studentischen Hilfskräften und den Mitarbeitern der Werkstatt (Herr Braun, Herr Vukovic, Herr Luppold) sowie dem Laborleiter Michael Schlosser (M.Sc.) zu verdanken. Für nächstes Jahr würde er sich wünschen, dass das Projekt mit einer ganzen Mannschaft vor Ort vertreten ist. Vielleicht ließe sich das Ergebnis – dieses Mal eine Platzierung im Mittelfeld – dann auch auf sportlicher Ebene noch verbessern.
 
​Das Brompton Bicycle


​Das Brompton, das sich der Maschinenbauingenieur Andrew Ritchie im Jahr 1979 patentieren ließ, genießt unter Faltradfans inzwischen Kultstatus. Das neun bis zwölf Kilogramm leichte Rad, das sich durch seinen ausgeklügelten, materialschonenden und extrem platzsparenden Faltmechanismus von Konkurrenzprodukten am Markt abhebt, wird inzwischen in 45 Länder exportiert. Die Anhänger des kultigen Faltrads, die sich selbst „Bromptonauten“ nennen, treffen sich überall auf der Welt zu jährlichen Brompton-Rennen, um ihre Fahrkünste zu messen und sich über das gemeinsame Hobby auszutauschen.

 

  
 

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