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Maschinenbau
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Maschinenbau zum Anfassen

 
 
Betriebsführung beim Unternehmen Schwäbische Werkzeugmaschinen GmbH
 
Das Herzstück des Maschinenbaus stellt seit jeher die Konstruktion und Produktion von komplexen Maschinen oder Bauteilen dar, die anschließend präzise ihre Funktion in einem technischen Kontext ausführen. Der Weg vom Entwurf zum fertigen Werkstück bzw. der fertigen Maschine oder Anlage mit vollem Funktionsumfang hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte jedoch drastisch verändert. Vielfach werden automatisierte Lösungen angestrebt. Welche technische Finesse und Präzision vonnöten sind, um am Ende ein hochspezialisiertes Produkt mit minimaler Fertigungstoleranz (in der Regel im Bereich von wenigen hundertstel oder sogar einem tausendstel Millimeter(n)) in Händen zu halten, konnten die Maschinenbaustudenten Anfang Juli live beim Werkzeugmaschinenhersteller SW erleben. Um das theoretisch Vermittelte abzurunden, schlossen sie die Vorlesung „Produktionsautomatisierung“ mit einer Führung durch die Schwäbische Werkzeugmaschinenfabrik in Schramberg-Waldmössingen ab. Hier macht sich die enge Kooperation des Studiengangs MAB der Hochschule Albstadt-Sigmaringen mit dem Unternehmen bezahlt. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit sind Mitarbeiter der Firma SW in die Vorlesung eingebunden und können den Studierenden so exzellente Einblicke in die Praxis vermitteln. Das Unternehmen zählt mit derzeit 271 Millionen Euro Jahresumsatz zu den erfolgreichsten Betrieben der Region und hat sich eine ausgezeichnete Wettbewerbsposition im Segment Werkzeugmaschinen, insbesondere in der anspruchsvollen Automobilindustrie, erarbeitet. Für diesen Erfolg sind verschiedene Faktoren ausschlaggebend, die in der Führung deutlich wurden: ein exzellentes Engineering, um hochpräzise Werkzeugmaschinen zu bauen ebenso wie Flexibilität mit Blick auf die Kundenwünsche, um Lösungen für die produktionstechnisch immer anspruchsvolleren Werkstücke zu finden. SW hat sich auf maßgeschneiderte Bearbeitungszentren spezialisiert, die je nach Fertigungsaufgabe perfekt auf die Kundenwünsche abgestimmt sind. Die Palette an Individualisierungsmöglichkeiten ist breit angelegt und deckt alle Bereiche bis hin zum Außendesign ab.
 
 
Der äußerst informative Rundgang führte in kleinen Gruppen durch die unterschiedlichen Abteilungen des Unternehmens, angefangen in der Montagehalle. Danach folgten das Technologiezentrum, die Entwicklungsabteilung, das Messlabor und der Lager- bzw. Logistikbereich. Im Vergleich zu den aktuellen, computergesteuerten Bearbeitungszentren mit minimaler Taktzeit, wirkt der Vorgänger der hochmodernen Fertigungsanlagen, der im Vorraum als Erinnerungsstück steht, wie ein Relikt vergangener Tage – obwohl auch hier schon Teile automatisiert bearbeitbar waren. Anhand der zahlreichen, teils sehr verschiedenen Maschinen im Vorführzentrum wurde die beeindruckende Bandbreite des Unternehmens deutlich: unzählige Konfigurationsmöglichkeiten bei den Bearbeitungszentren (ein- bis mehrspindlig, unterschiedliche Zahl an Bearbeitungsachsen), sehr verschiedenartige Werkstücke (von der Schraube bis zum Motorblock) und die unterschiedlichsten Kunden (vom Subzulieferer bis zum Großkonzern VW) zeichnen das Arbeitsumfeld bei SW aus. SW setzt dabei für die Herstellung seiner hochpräzisen Werkzeugmaschinen modernstes Equipment ein. Fertige Maschinen und andere „schwere Gegenstände“ werden mit einer großflächigen, luftgelagerten Transportplattform, dem „Fliegenden Teppich“, durch die Halle bewegt. Die diversen Werkzeuge und sonstigen Zubehörteile sind im Palettenlager mit dynamischem Regalsystem bzw. einem Kleinteilelager organisiert. Für diese Präzision müssen Fertigungsabweichungen minimiert und feinste Ablagerungen, Abnutzungen an Werkzeugen und Temperaturschwankungen kompensiert werden. Um zu garantieren, dass die minimale Fertigungstoleranz eingehalten werden kann, wird ein genau definierter Prozentsatz der gefertigten Werkstücke daher mit hochsensiblen Sensoren und Messanlagen vermessen, bevor die Auslieferung an den Kunden erfolgt. Doch selbst ein einwandfreies Messprotokoll liefert keine Garantie, dass das gefertigte Stück anschließend auch perfekt passt. Bei Bedarf muss das Werkstück entsprechend nachgeschliffen werden – auch der Automatisierung sind also Grenzen gesetzt.
 
 
Vor allem in der Entwicklungsabteilung, die die Konstruktion und Strukturberechnungen für die zu fertigenden Maschinen und Bauteile anhand aufwendiger Simulationen, wurden zahlreiche Fragen gestellt. Die vier Mitarbeiter der Firma SW, die die Studenten größtenteils bereits als Dozenten kennengelernt hatten und die sie auch während der Führung betreuten, waren angetan vom offenkundigen Interesse und den vielen Nachfragen, die den guten Kenntnisstand der Studenten dokumentierten. Wie wichtig es ist, auch nach der erfolgreich absolvierten Lehrveranstaltung weiter auf dem neuesten Stand zu bleiben, klang gegen Ende des Rundgangs an. Auf aktuelle Entwicklungen in der Branche angesprochen, erläuterte Stefan Walter (Leiter des technischen Vertriebs), dass man gerade dabei sei, die Fertigungsprozesse im Unternehmen gemäß den Standards der Industrie 4.0 umzugestalten. Mit verstärktem Fokus auf Digitalisierung und Vernetzung der Fertigungsabläufe steht dem Bereich Werkzeugmaschinenbau also wohl zeitnah ein weiterer Innovationsschub bevor.
 

 Weitere Bilder von der Führung bei SW