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Nachhaltig, sozial, modern: Studierende unterstützen gemeinnützige „Secontique“

Albstadt/Sigmaringen.  Aus zwei abgelegten Herrenhemden wird eine schicke Damenbluse, aus der alten Jeans eine Tasche oder eine Wimpelkette für die nächste Party. Der Wintermantel, der dem einen nicht mehr gefällt, ist für den anderen genau das Teil, das ihm noch gefehlt hat: Wie Nachhaltigkeit, Modebewusstsein, soziales Handeln und Geschäftstüchtigkeit zusammenpassen, stellen Studierende der Hochschule Albstadt-Sigmaringen derzeit in ihrem Industrieprojekt unter Beweis.

Das komplette sechste Semester des Bachelorstudiengangs Textil- und Bekleidungstechnologie hat die Caritas Schwarzwald-Alb-Donau und den Verein Aktion Hoffnung Rottenburg-Stuttgart bei der Konzeptionierung ihres gemeinsam betriebenen Second-Hand-Ladens unterstützt, der diese Woche in Albstadt-Ebingen eröffnet wurde. Die Ideen hinter der gemeinnützigen „Secontique“ sind dabei so simpel wie sinnvoll: gebrauchte Kleidung günstig weitergeben, aus nicht mehr brauchbaren Dingen etwas Neues machen, Langzeitarbeitslosen eine Perspektive geben.

Die 19 Studierenden wurden von Prof. Marina Baum und Prof. Sven Gerhards betreut. Zu Beginn der Projektphase sammelten sie zunächst Ideen und teilten sich dann in drei Gruppen auf, die sich jeweils um einen anderen Bereich kümmerten: Events, Social Media und Upcycling. Bei einer Zwischenpräsentation in der Hochschule stellte die Gruppe am Donnerstag einigen Interessierten den Stand des Projekts vor – darunter auch Brigitte Stein, die die „Secontique“ derzeit federführend leitet. Sie lobte die Zusammenarbeit mit den Studierenden: „Ich bin immer froh, wenn junge Leute mit guten Ideen kommen“, sagte sie. „Sie sind idealistisch und frisch, das ist einfach toll.“

Die Studierenden wollen zu einem Umdenken in der Gesellschaft beitragen, das wegführt vom massenhaften Konsum billig produzierter Kleidung auf Kosten von Menschen und Umwelt in vorwiegend asiatischen Ländern – das wurde bei der Präsentation deutlich und passt gut zum Leitgedanken von Caritas und Aktion Hoffnung. Die „Secontique“ möchte denn auch jeden als Kunden gewinnen, der ressourcenschonend leben möchte und richtet sich ausdrücklich nicht nur an Menschen mit kleinem Geldbeutel.

So soll beispielsweise die Upcycling-Werkstatt weiter ausgebaut werden, in der aus alten und vielleicht kaputten Dingen ganz andere neue werden. Dort wie auch im Laden selbst sollen Langzeitarbeitslose und Menschen mit Behinderung mitarbeiten können. Die Studierenden wiederum erarbeiten Upcycling-Anleitungen für verschiedene Produkte, die jedermann auch in Eigenregie umsetzen kann; ein eigens gestalteter Schrank im Laden macht Lust darauf und hält Informationen bereit. „Ein Ampelsystem soll den Schwierigkeitsgrad kennzeichnen“, sagte die Studierende Julia Lutz bei der Präsentation.

Das Events-Team hat Ideen für eine ganze Reihe von Veranstaltungen erarbeitet. Dabei geht es ihnen nicht nur um den Bekanntheitsgrad der „Secontique“, sondern auch um soziale Initiativen wie Nähkurse oder Backnachmittage mit Kindern. Denkbar seien auch Zusatzangebote wie eine Kinderecke, ein Wäscheservice für Menschen ohne Waschmaschine oder eine kleine Cafeteria, erklärte die Erasmus-Studierende Henrietta Gregor.  Auch die Social-Media-Gruppe tut viel, um die „Secontique“ bestmöglich zu unterstützen – mit Fotos und Storys, aber auch mit Videos; eine kleine Kostprobe davon gab es auch bei der Präsentation.

Sehr angetan von den vielen Einfällen war Anton Vaas vom Verein Aktion Hoffnung, der sich nach der Präsentation überschwänglich bedankte. Auch Andreas Budisky, bei der Caritas Schwarzwald-Alb-Donau Leiter Soziale Projekte, zeigte sich beeindruckt: „Durch die Studierenden wurde das Bewusstsein für Nachhaltigkeit noch stärker eingebracht“, sagte er.

Auch für die Studierenden selbst ist das Projekt etwas Besonderes. „Wir hatten Ideen, die wir dann auch wirklich umsetzen konnten“, sagte Franziska Thellmann vom Team Events, das beim ersten offiziellen Verkaufstag der „Secontique“ am Mittwoch eine Tombola für die Kunden veranstaltete. „Das ist schon richtig cool.“

 

Weiterführende Informationen: In Zeiten von „Fast Fashion“, also dem sich immer schneller drehenden Karussell wechselnder Modekollektionen, werden immer höhere ökologische und soziale Folgekosten durch die Textilindustrie ausgelöst. Deshalb ist es notwendiger denn je, die Lebensdauer von Textilien zu verlängern – dafür steht die „Secontique“. Die Erlöse kommen der Caritas in der Region sowie den Eine-Welt-Projekten der katholischen Mitgliedsorganisationen der Aktion Hoffnung zugute.

Die „Secontique“ in Albstadt-Ebingen ist auf Spenden angewiesen. Angenommen werden Kleidung, Schuhe, Taschen und Accessoires. Tafelkunden erhalten bei Vorlage ihres Ausweises 50 Prozent Nachlass. Geöffnet hat der Laden an der Sonnenstraße 33 dienstags bis freitags von 11 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 13 Uhr.