Befehle des Menübands überspringen
Zum Hauptinhalt wechseln
Navigation nach oben
Anmelden
Headerbild
Betriebswirtschaft
Erfolgreich studieren.
Selektion nach Zielgruppen Go

Jahresgutachten des Sachverständigenrates: „Verantwortung für Europa wahrnehmen“

 
Ulrike Bechmann (links), Prof. Dr. Matthias Premer (rechts)Mitarbeiterin des Sachverständigenrates thematisiert die Konjunkturperspektiven für Deutschland unter der Zuspitzung der Schuldenkrise. 

Am vergangenen Montag stellte Ulrike Bechmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, das aktuelle Jahresgutachten 2011/12 an der Hochschule in Sigmaringen vor. Mit dem Titel des Jahresgutachtens „Verantwortung für Europa wahrnehmen – Große Herausforderungen in schwierigem Umfeld“ betont der Rat die momentane kritische Situation:  Konjunkturelle Abschwächung, Belastungen durch hohe Ölpreise, die Erdbeben und Tsunamikatastrophe sowie große Verunsicherung durch die stark angestiegene Verschuldung der Industrieländer sind Gründe für die anhaltende Krise der  Weltwirtschaft.  

Ulrike Bechmann gab den zahlreich anwesenden Studierenden und Gästen zunächst einen Überblick über den Verlauf der Krise in drei Akten: 1. Akt: Immobilienblase und private Verschuldung in den USA, 2. Akt: Globale Wirtschafts- und Finanzkrise, 3. Akt: die Schuldenkrise. Die Erholung von der Wirtschaftskrise erfolgte sehr heterogen:  Staaten wie Italien, Griechenland, Irland und Spanien liegen in ihrer Wirtschaftsleistung noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau von 2008, während Deutschland, Frankreich und die USA das Vorkrisenniveau wieder erreicht haben. Zugpferde für die Weltwirtschaft sind jedoch Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien. 

Die Industrienationen stehen vor der Herausforderung, ihre Haushalte in hohem Maße konsolidieren zu müssen.  Der Schuldenstand hat in diesen Staaten ein Rekordniveau erreicht und wird voraussichtlich im Prognosezeitraum weiter ansteigen. Anhaltend hohe Arbeitslosenzahlen in den Industrienationen sind ein Indikator für ein schwaches wirtschaftliches Umfeld. Deutschland steht mit sinkenden Arbeitslosenzahlen hier  in einer Sonderposition. Die seit Jahren gestiegene Wettbewerbsfähigkeit hat bei uns weniger Spuren der Krise hinterlassen. Das Wachstum wird sich im Jahr 2012 jedoch spürbar verlangsamt. Und Risiken für die Weltkonjunktur liegen in der Abschwächung der Konjunktur in den Schwellenländern und in der Verunsicherung der Konsumenten und Produzenten durch die Schuldenkrise im Euro-Raum und den USA. 

Die Wirtschaftspolitik steht jetzt vor der Herausforderung, so Ulrike Bechmann, das Vertrauen auf den Finanzmärkten wieder herzustellen. Die bisherigen seit 2009 konsequent durchgeführten Konsolidierungsprogramme bleiben derzeit ohne Wirkung auf die Märkte im Euroraum. Die bisher diskutierten Ansätze wie ein Austritt von Schuldnerstaaten aus der Währungsunion oder die Einführung von Eurobonds sind nach der Ansicht des Sachverständigenrates keine gangbare Lösung für die vorhandenen Probleme. Gleiches gilt für die Beschlüsse der Euro-Gipfel vom 26. Oktober und vom 09. Dezember 2011. 

Der Sachverständigenrat schlägt ein Modell vor, das das Grundproblem der hohen Verschuldung und der damit einhergehenden Refinanzierungs- und Glaubwürdigkeitsprobleme bei der Schuldenbewältigung angeht. In diesem  vorgeschlagenen Tilgungspakt  verpflichten sich die Länder zum Schuldenabbau und können sich über einen Tilgungsfonds günstig refinanzieren. Gleichzeitig müssen die Staaten eigenverantwortlich ihre Schulden tilgen. Vorteile dieses Tilgungspaktes sind dahingehend zu sehen, dass eine gemeinsame Haftung begrenzt nur für das Sondervermögen des Tilgungsfonds zum Tragen kommt. Mit der Tilgung der Schulden würde auch der Fonds aufgelöst sein. Durch zeitliche Streckung der Konsolidierung ist die Wahrscheinlichkeit des  Erfolgs im Schuldenabbau größer. 

Die Veranstaltung gehörte zur Reihe „Sigmaringer Vorträge zur aktuellen gesamtwirtschaftlichen Lage“, die  seit über 10 Jahren unter Leitung von Professor Dr. Matthias Premer, Studiendekan im Studiengang Betriebswirtschaft, durchgeführt werden.

Das vollständige Jahresgutachten ist unter www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de zu finden.