Vernissage zeigt Ergebnisse des Projekts „Perspektivwechsel“
Albstadt/Sigmaringen. Was passiert, wenn eine Spritze aus dem Mikrobiologielabor plötzlich zum Malwerkzeug wird? Oder wenn Bakterien nicht nur untersucht, sondern selbst zu Künstlern werden? Antworten darauf gibt die Ausstellung „Perspektivwechsel: Wissenschaft trifft Kunst – Kunst trifft Wissenschaft“, die an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen in Sigmaringen eröffnet wurde.
Rund 25 Gäste kamen zur Vernissage, bei der 19 ganz unterschiedliche Arbeiten zu sehen waren: ein mit Farbe verfremdeter Laborkittel, Pipettenspitzen auf Leinwand, großformatige farbige Bilder oder Schmuckteller, auf denen Kulturen von Bakterien abgebildet sind.
Entstanden sind die Arbeiten in einem ungewöhnlichen gemeinsamen Prozess. Der Ostracher Künstler Nikolaus Mohr traf sich dafür mehrmals mit Studierenden und Prof. Dr. David Drissner von der Fakultät Life Sciences in seinem Atelier. Zwei weitere Treffen fanden im Mikrobiologielabor der Hochschule statt. „Im Atelier musste die Spritze nicht mehr millilitergenau sein, sondern durfte Farbe auf eine Leinwand spritzen“, beschrieb David Drissner den Perspektivwechsel bei der Vernissage. Aus Materialien und Methoden, die im Labor für präzises Arbeiten eingesetzt werden, entstanden so ganz neue Formen des künstlerischen Ausdrucks.
Auch für Nikolaus Mohr war die Begegnung ungewohnt: „Das Atelier ist ein gegenteiliges Labor“, sagte er. Viele der Materialien aus der Mikrobiologie habe er zuvor noch nie gesehen; gemeinsam habe die Gruppe verschiedene Ideen und Techniken getestet, ohne anfangs zu wissen, was am Ende entstehen würde: Zum einen wurde direkt mit Labormaterialien gearbeitet, zum anderen entstand freie Malerei.
Bei der Begrüßung erinnerte Hochschulrektorin Dr. Ingeborg Mühldorfer daran, dass die Idee zu dieser besonderen Kunstaktion bei einem der ersten Planungstreffen zum Kulturschwerpunkt „Bildung“ des Landkreises Sigmaringen entstanden war. Nicht nur jeder Beteiligte sollte ihrer Ansicht nach zeigen, was er kann – vielmehr sollte gemeinsam etwas Neues entstehen. Genau dieser Gedanke habe das Projekt getragen.
Hochschulseelsorger Pfarrer Matthias Ströhle begleitete den Prozess und gab dem Austausch zwischen Kunst und Wissenschaft einen philosophischen Rahmen. Für alle Beteiligten wurde dabei deutlich: Kunst, Wissenschaft und Philosophie liegen in ihrer Herangehensweise weniger weit auseinander als zunächst vermutet. Sie alle fragen, beobachten, probieren aus und lassen Raum für Erkenntnisse, die sich nicht vollständig vorausplanen lassen.
Die Ausstellung wird vom 14. März 2027 bis in den Herbst hinein im Pfarrbüro „mittendrin“ am Marktplatz in Sigmaringen gezeigt.


