Pressemitteilung Business Sciences and Management Forschung & Transfer Referat für Kommunikation und Marketing

Projektabschluss: Potenzial für E-Mobilität im ländlichen Raum

Albstadt/Sigmaringen. Menschen, die auf dem Land wohnen, fahren täglich nicht weiter als Städterinnen und Städter – trotzdem bleibt das Elektroauto auf dem Land die Ausnahme. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsprojekt der Fakultät Business Science and Management an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen zur Verankerung von Elektromobilität im ländlichen Raum. Im Mittelpunkt stand eine repräsentative Befragung von mehr als 2000 Bürgerinnen und Bürgern in Baden-Württemberg zu Mobilitätsverhalten, Elektromobilität und möglichen Anreizen für den Umstieg auf E-Fahrzeuge.

Die Ergebnisse zeigen, dass die tatsächlichen Mobilitätsanforderungen vieler Menschen bereits heute gut mit den Möglichkeiten von Elektroautos vereinbar wären. So legen Autofahrerinnen und Autofahrer im ländlichen Raum durchschnittlich 44,4 Kilometer pro Tag zurück, in städtischen Räumen sogar etwas mehr (46 Kilometer), wobei die Befragten im ländlichen Raum im Alltag etwas häufiger auch Distanzen von mehr als 40 Kilometern zurücklegen. Rund 60 Prozent aller Befragten fahren an einem typischen Nutzungstag jedoch weniger – also eine Distanz, die rein elektrisch zurückgelegt werden könnte. Gleichzeitig bestehen weiterhin Vorbehalte gegenüber der Elektromobilität: Als größte Hürden nennen die Befragten hohe Anschaffungskosten, eine aus ihrer Sicht unzureichende Ladeinfrastruktur sowie Sorgen hinsichtlich der Reichweite.

„Unsere Analysen zeigen, dass viele Menschen die Einsatzmöglichkeiten von Elektrofahrzeugen im Alltag unterschätzen. Zwischen der tatsächlichen Mobilität und der subjektiven Wahrnehmung besteht häufig eine deutliche Diskrepanz“, sagt Projektleiter Prof. Wilfried Funk. „Neben dem weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur kommt deshalb einer praxisnahen Information und dem direkten Erleben von Elektromobilität eine zentrale Bedeutung zu.“

Besonders hoch ist die Verbreitung von Elektrofahrzeugen bei Eigenheimbesitzerinnen und Eigenheimbesitzern mit eigener Photovoltaikanlage. Die Kombination aus selbst erzeugtem Strom und E-Auto wird von vielen Nutzerinnen und Nutzern als wirtschaftlich attraktive Lösung wahrgenommen.

Aus den Ergebnissen leitet das Forschungsteam konkrete Handlungsempfehlungen ab. Dazu zählen der weitere Ausbau der Ladeinfrastruktur, transparente finanzielle Anreize sowie regionale Informations- und Beratungsangebote. Vorgeschlagen werden unter anderem sogenannte E-Mobilitäts-Hubs als zentrale Anlaufstellen für Bürgerinnen und Bürger. „Elektromobilität kann auch im ländlichen Raum einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Mobilität leisten“, sagt Wilfried Funk. „Dafür braucht es neben verlässlichen Rahmenbedingungen vor allem Information, Vertrauen und praktische Erfahrungen.“

Das Projekt wurde vom baden-württembergischen Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz gefördert und leistet einen wichtigen Beitrag zur Diskussion über die Mobilitätswende. Es rückt den ländlichen Raum stärker in den Fokus von Forschung und Praxis.