Pressemitteilung IT Security Referat für Kommunikation und Marketing

Studentin entwickelt Suchmaschine gegen Fake News

Albstadt/Sigmaringen. Wie lässt sich in Zeiten von Social Media, Künstlicher Intelligenz und immer professioneller wirkenden Falschinformationen die Glaubwürdigkeit von Online-Inhalten beurteilen? Mit dieser Frage hat sich Ageliki Agorastos in ihrer Bachelorarbeit an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen beschäftigt. Das Ergebnis ist eine Suchmaschine, die Nutzerinnen und Nutzer dabei unterstützen soll, Online-Inhalte eigenständig und fundiert zu bewerten.

Im Mittelpunkt der Arbeit steht ein neuer Ansatz: Die entwickelte Webanwendung entscheidet nicht selbst darüber, ob eine Information wahr oder falsch ist. Stattdessen bündelt sie relevante Quellen, Faktenchecks und wissenschaftliche Veröffentlichungen und macht diese transparent zugänglich.

„Ich wollte keine Anwendung entwickeln, die den Menschen sagt, was sie glauben sollen“, erklärt Ageliki Agorastos. „Mir ging es darum, Menschen bei ihrer eigenen Recherche zu unterstützen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich auf einer fundierten Grundlage eine Meinung zu bilden.“

Die 26-Jährige aus Engstingen hat IT Security studiert und für ihre Suchmaschine verschiedene Schnittstellen zu journalistischen Nachrichtenquellen, Faktencheck-Angeboten und wissenschaftlichen Datenbanken eingebunden. Nutzer können Suchbegriffe eingeben und erhalten thematisch passende Informationen aus unterschiedlichen Quellen – ohne Ranking, Priorisierung oder Sponsoring. 

Der Anstoß für die Arbeit kam aus einer Beobachtung, die Ageliki Agorastos schon länger beschäftigte: „In sozialen Medien werden Inhalte oft einfach geteilt, weil sie emotional berühren oder Aufmerksamkeit erzeugen. Die wenigsten Menschen haben vorher Zeit für eine lange Recherche. Gleichzeitig wird es immer schwieriger zu erkennen, welche Informationen verlässlich sind.“ Besonders problematisch sei dies bei Themen wie Gesundheit, Politik oder der Wissenschaft; deshalb konzentrierte sie sich auf genau diese Bereiche. Die Anwendung liefert nicht nur Rechercheergebnisse, sondern auch Hintergrundinformationen und Handlungsempfehlungen, die Nutzer bei der Bewertung von Informationen unterstützen sollen. „Ich kann niemanden erreichen, der alles ungeprüft glaubt und sofort weiterverbreitet“, sagt Ageliki Agorastos. „Aber ich kann diejenigen unterstützen, die eine Information kritisch hinterfragen und sich näher damit beschäftigen möchten.“

Nach einer Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement bei der Robert Bosch GmbH machte Ageliki Agorastos berufsbegleitend auf dem zweiten Bildungsweg ihre Fachhochschulreife und begann anschließend mit einem Stipendium ihres Arbeitgebers das Studium. Heute arbeitet sie als Cyber-Security-Ingenieurin bei Bosch und beschäftigt sich dort mit Sicherheitsthemen rund um Mikrochips. Der Weg ins Studium war dabei keineswegs selbstverständlich. „Ich konnte vor dem Studium nicht programmieren und war auch sonst nicht vom Fach“, berichtet sie. „Aber wenn man bereit ist, Zeit und Arbeit zu investieren, kann man das schaffen.“ Besonders prägend seien für sie die kleinen Gruppen und der enge Zusammenhalt an der Hochschule gewesen. „Unser Semester hat unglaublich gut zusammengearbeitet. Jeder hatte andere Stärken, und wir haben uns gegenseitig unterstützt. Das war etwas Besonderes.“

Auch die Betreuer der Bachelorarbeit zeigen sich von den Ergebnissen beeindruckt. „Die Arbeit verfolgt einen konsequent nutzerzentrierten Ansatz“, sagt Prof. Dr. Christian Henrich. „Statt automatisierter Wahrheitsbewertungen stellt sie Transparenz und Nachvollziehbarkeit in den Mittelpunkt. Das ist gerade bei komplexen Informationslagen ein spannender Ansatz.“ Und Prof. Dr. Stefan Sütterlin sieht darin einen wichtigen Beitrag zur Medienkompetenz: „Die Fähigkeit, Informationen kritisch zu hinterfragen und Quellen richtig einzuordnen, wird für unsere Gesellschaft immer wichtiger. Die Arbeit zeigt, wie technische Lösungen Menschen dabei unterstützen können, ohne ihnen die Entscheidung abzunehmen.“

Für Ageliki Agorastos ist die Entwicklung der Suchmaschine ebenfalls mehr als ein technisches Projekt. „Mich hat schon zu Beginn meines Studiums die Frage beschäftigt, wie man Menschen vor digitalen Risiken schützen kann“, sagt sie. „Mit dieser Arbeit wollte ich einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass Menschen Informationen bewusster hinterfragen und sicherer mit ihnen umgehen.“