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Biomedical Sciences

BMS students abroad - Tu in Kanada

Zwei Monate Forschen und Reisen in Kanada

Ein Bericht von Truong Tu, Student im Masterstudiengang Biomedical Sciences (2. Semester im Wintersemester 2019/2020)

Wie es dazu kam

Jede gute Geschichte beginnt mit einer guten Vorgeschichte: Vorletztes Jahr (2017) schrieb ich meine Bachelorarbeit über Resistenzmechanismen im Lymphom in der schönen Altstadt von Cambridge, wo auch die alljährliche Lymphom-Krebskonferenz stattfindet. Dort trafen sich auch in jenem Jahr wieder Forscher aus aller Welt und ich stellte mich wie immer mit Mr. Tu from Germany vor. Witzigerweise nutzte jemand gleich die Gelegenheit, um sich als Mr. Three vorzustellen. Mr. Three war auch bekannt als Raymond Lai und später erfuhr ich, dass er unter anderem Professor an der University of Alberta und Leiter einer Arbeitsgruppe im Department of Laboratory Medicine and Pathology war – zu diesem Zeitpunkt saßen wir jedoch bereits als Freunde im Pub The Eagle, in dem Watson & Crick erstmals ihre Entdeckung der DNA-Struktur verkündeten. Fazit: Man macht die besten Bekanntschaften, wenn man sich selbst nicht zu ernst nimmt … und zwei Jahre später, in den Semesterferien im August und September 2019, war ich nun in seinem Labor in Edmonton und habe nebenher die kanadischen Nationalparks besucht – verrückt.

 

Forschung

Zunächst zur Arbeitsgruppe: Sie bestand aus zwei saudi-arabischen Ärzten, einem chinesischen Arzt, einer chinesischen PhD-Studentin und mittlerweile einer Masterandin aus dem Studiengang BMS der HS AlbSig, die ich erfolgreich für das Labor akquirieren konnte, um das Projekt weiterzuführen (danke Eva Lipke!). Das Team beschäftigt sich ebenfalls mit Resistenzmechanismen im Lymphom und verfolgt die Spur sogenannter cancer stem-like cells, also Krebszellen die stammzellähnliche Eigenschaften besitzen und die wahren Endgegner jeder Chemotherapie darstellen, da diese enorm anpassungsfähig sind und starke Chemo-Resistenzen aufweisen. Die Vision des Labors ist es, bestimmte Marker der cancer stem-like cells für eine Frühdiagnostik zu etablieren und letztendlich eine Strategie zu entwickeln, damit sie ihre stammzellähnliche Eigenschaft verlieren und wieder für etablierte Therapien angreifbar werden. Forschungstechnisch war die Arbeit in Kanada super spannend und ich kam mir die meiste Zeit wie ein FBI-Agent vor, der Datenbanken und Paper durchscannte, um nach neuen Spuren zu suchen, die das Labor bisher übersehen hatte. Ich werde meine Ergebnisse bald an der HS AlbSig vorstellen – wer also neugierig ist, kann gerne vorbeikommen oder mich einfach anschreiben ( truongtu@hs-albsig.de).

 

Leben in Edmonton, Kanada

In Kanada angekommen, wurde ich sofort in die Labor- sowie WG-Familie aufgenommen und Edmonton wurde für 2 Monate ein wahres Zuhause. In meiner Freizeit begab ich mich entweder auf Abenteuer in die Nationalparks oder organisierte gemütliche BBQ-Partys im Garten, solange der kanadische Sommer es zuließ. Die kanadische Kultur bedeutete für mich: Selbst bei Tieftemperaturen kurze Hosen zu tragen, sich beim Busfahrer zu bedanken, wenn man an der gewünschten Haltestelle aussteigt, den Tag im Tim Hortons Café zu starten, sich oft zu entschuldigen, miteinander in der Schlange an der Supermarktkasse zu plaudern, mit wildfremden Menschen über das ständig wechselnde Wetter zu philosophieren und an Wochenenden entweder in Bars zu gehen oder in die Natur zu flüchten.

 

Was ich noch so gelernt habe:

  • Es ist üblich, ein Bären-Pfefferspray und/oder Metallica-Musik auf Wanderungen mitzunehmen, um sich vor wilden Tieren zu schützen
  • Man sollte sich nicht den Film The Revenant kurz vor einer Wandertour ansehen, vor allem, wenn man vor hat gerade dort wandern zu gehen, wo der Film gedreht wurde
  • …dass Brasilianer ihre Decken und Kissen nie beziehen. Mein Lieblings-Mitbewohner aus Brasilien hat sich nicht mehr vor Lachen gekriegt, als ich meine Sachen bezogen habe und meinte „why are you dressing your blanket, princess?“. Abgerundet mit meiner Gegenfrage „why are you sleeping with a naked blanket you weirdo?” sorgt der Moment heute noch für einen guten Lacher
  • …er hat mir auch gezeigt wie man leckeren Kombucha braut und Brigadeiros macht
  • Das kanadische Nationalgericht Poutine, ausgesprochen wie Putin, besteht im Grunde aus knusprigen Pommes, die man mit Bratensoße wieder „entknuspert“ – neben Poutine ist die internationale Küche (zum Glück) auch sehr präsent

 

Mit all den Erfahrungen, die ich in den zwei Monaten in Kanada sammeln konnte, blicke ich auf eine sehr schöne, lustige und lehrreiche Zeit zurück. Was bleibt, sind letztendlich einzigartige Erinnerungen, neue Freundschaften, ein erweitertes Zuhause und viele Geschichten, die es zu erzählen gibt. See you again, Canada.